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Teil 2: Vom Zelten zum Wohnwagen: Unsere Heimfahrt über den Brenner im Starkregen

Der Gardasee hatte gewonnen. Wir gaben auf. Es gibt diesen Punkt beim Camping, an dem man nicht mehr „eins mit der Natur“ ist, sondern einfach nur noch nass. In einer kurzen, fast höhnischen Regenpause rissen wir das Zelt vorzeitig ab. Es war kein Abbau, es war eine Flucht. Wir stopften die klatschnassen, schweren Planen einfach irgendwie in den Kofferraum unseres Toyota Corolla. Wir stapften durch tiefe Pfützen zur Rezeption, erledigten den Checkout und freuten uns einfach nur auf unser Bett daheim. Die Rezeptionistin versicherte zwar, dass der Regen jetzt endgültig vorbei sei. Und es sei doch so schade, dass wir auf die gebuchten drei weiteren Urlaubstage verzichten. Aber die Wetter-App zeigte trotzig weit und breit nur tiefes blau. Und die kommenden Tage versprachen keine Besserung.

Camping im Regen – dann macht Zelten keinen Spaß mehr

Erkenntnis des Augenblicks:

Ein nasses Familienzelt verdoppelt nicht nur sein Gewicht, sondern verströmt im Auto innerhalb von Minuten das Aroma eines feuchten Waldschrat-Wohnzimmers.

Heimfahrt über den Brennerpass bei Starkregen – unsere Grenze

Die Heimreise war die logische Fortsetzung des Desasters. Wer schon einmal nachts bei Starkregen und Nebel über den Brennerpass gefahren ist, weiß: Man sieht nichts. Außer den roten Rücklichtern des LKWs vor einem. Und den blendenden Scheinwerfern des drängelnden slowenischen Transporters, direkt am Kofferraum. Wer schon einmal bei Starkregen und Nebel über den Brennerpass gefahren ist, bekommt auch ein Gefühl dafür, wie anspruchsvoll diese Strecke für Gespannfahrer sein kann. Unsere Zeltausrüstung passt in den Kofferraum. Wie stressig wird das erst, wenn man mit einem riesigen Anhänger durch die engen Serpentinen kurven muss?

Ob wir diese Strecke jetzt auch mit einem Wohnwagen so durchstehen würden? Leise Zweifel machten sich wieder breit. Andererseits: Dafür gibt`s ja Fahrschulen. Während die Scheibenwischer im Akkord gegen die Wassermassen peitschten und der Hund im Heck leise vor sich hin zitterte, schworen wir uns im fahlen Licht der Armaturen: Das war das letzte Mal.

Wir brauchen Wände. Wir brauchen Wände aus Holz, nicht aus atmungsaktivem Fresh-Gewebe aus Polyester. Wir brauchen eine Tür, die man mit einem satten Klack hinter sich zuzieht.

„Kauft euch doch einen Puck!“

Wieder zu Hause hing das Zelt wie ein erschlagener Riese im Garten und tropfte melancholisch auf die Terrasse. Ein paar Tage später saßen wir mit unseren Freunden Lisa und Sascha beim Spieleabend zusammen. Wir erzählten mit feuchten Augen von unserem Abenteuer und dem Entschluss, jetzt „richtige“ Camper zu werden. Sascha, der sich schon jahrelang mit Wohnwagen beschäftigt, grinste nur. „Wenn ihr mit dem Corolla ziehen wollt, schaut euch doch mal einen alten Eriba Puck oder einen kleinen Eriba Nova an. Die sind leicht, aus Holz und Stahl, urgemütlich.“

Ich schaute ihn entgeistert an. „Einen Puck? Sascha, hast du uns mal angesehen? Wir sind zwei Erwachsene, ein Kind und ein Hund! Wir wollen campen, nicht in einer Konservendose leben. Wir brauchen Platz, ein richtiges Badezimmer, Stockbetten… halt einen richtigen Wohnwagen, so wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Und außerdem kann der Corolla wegen des Hybrids noch nicht mal so eine Sardinendose ziehen. Dann können wir auch gleichen einen richtigen Wohnwagen holen.“

Anhängelast, Stützlast & Wohnwagengewicht – wir hatten keine Ahnung

in meiner Vorstellung sah ich uns schon in einem dieser weißen Riesen, mit Vorhängen und einer Eckbank aus Eiche-Rustikal. Dass unser Auto dabei wahrscheinlich schon beim Ankuppeln in die Knie gehen würde, war uns völlig klar. Wir hatten ja keine Ahnung von Anhängelasten, Stützlasten oder gar dem Unterschied zwischen GFK und Alu-Sandwich. Wir wollten einfach nur Luxus. Und wenn der Corolla das nicht schafft? Dann muss eben ein neues Auto her. Ein SUV, so ein richtig bulliges Teil.

Der Plan stand fest: Erst das dicke Auto, dann der dicke Wohnwagen. Dass wir kurz darauf in einem Autohaus feststellen würden, dass wir so gar keine „SUV-Menschen“ sind, war die erste von vielen Lektionen, die noch folgen sollten.

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