Behörden-Bingo und der Drei-Wochen-Schock
Wer glaubt, dass man in einer Stadt wie Bonn einfach mal eben zum Stadthaus fährt und einen Wohnwagen zulassen kann, der glaubt auch, dass man im Wohnwagen morgens ohne klamme Füße aufwacht. Zwischenzeitlich hatten wir den Kaufpreis überwiesen und von Frank-Caravaning gerade per Einschreiben die Fahrzeugpapiere erhalten. Ich setzte mich also voller Tatendrang an den Rechner, öffnete das Reservierungssystem der Stadt Bonn und erlebte mein persönliches grand malheur.
Nächster freier Termin: In drei Wochen.
Drei Wochen! In der Zeit hätte ich den Mattek wahrscheinlich per Hand aus dem Westerwald nach Bonn geschoben. Frau Frank wartete auf uns, der Termin zur Abholung stand bereits (in einer Woche) – und ich saß vor einem digitalen „Du kommst hier nicht rein“.
Das Rätsel der Terminart: Was bin ich?
Doch der Termin-Stau war nur die erste Hürde. Das Auswahlmenü im Portal der Stadt Bonn ist ein Abenteuerspielplatz für Paragraphenreiter. Ich starrte auf den Bildschirm und fragte mich: „Was zur Hölle ist Mattek eigentlich rechtlich?“
- Neuzulassung national? (Er ist neu, aber kommt aus Polen…)
- Importfahrzeug mit COC-Papieren? (Klingt logisch, aber gilt das auch für Anhänger? Und er hat ja bereits einen deutschen Fahrzeugbrief. Ist er dann noch ein „Importfahrzeug“?)
- Einzelabnahme nach § 21 StVZO? (Himmel, ich will ihn nur anmelden, nicht neu erfinden!)
Die Auflösung für alle Nachahmer: Wenn ihr einen Niewiadow beim Händler kauft, bekommt ihr meistens die COC-Papiere (Certificate of Conformity). Das ist die Geburtsurkunde eures Wagens für ganz Europa. Damit ist es eine „Zulassung eines Neufahrzeugs mit COC“. Selbst, wenn ihr bereits die „Zulassungsbescheinigung Teil II“ – Vulgo „Fahrzeugbrief“ habt. Ich musste leider erst ein paar Emails hin und her schicken, bis ich das herausfand. Aber: Die Menschen bei der Stadt waren verhältnismäßig schnell, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Das will ich nicht unter den Tisch fallen lassen!
Nachdem nun alle Klarheiten beseitigt waren, der Termin (in drei Wochen) stand und ich bei den Franks um eine Terminverschiebung gebeten hatte, war nun endlich alles bereit und angerichtet.
Vorbereitung ist alles: Die Checkliste für Einsteiger
Bevor ich mich mit Sophie im Schlepptau ins Getümmel stürzte, musste die Mappe perfekt sein. Wer hier patzt, wird von der Sachbearbeiterin gnadenlos zurück auf „Los“ geschickt.
Was ihr unbedingt dabei haben müsst:
- Personalausweis (oder Reisepass mit Meldebescheinigung).
- eVB-Nummer: Die bekommt ihr von eurer Versicherung (speziell für Anhänger!).
- COC-Bescheinigung: Das Original vom Händler.
- Kaufrechnung: Zum Nachweis, dass ihr die rechtmäßigen Besitzer seid.
- IBAN: Für die Kfz-Steuer (Anhänger kosten 7,46 € pro 200 kg – Mattek ist mit 29,00 € im Jahr also wirklich ein Schnäppchen).
- In unserem speziellen Fall die Bescheinigung über die Ablastung. Ihr erinnert Euch: Unser Corolla darf nur 750kg ziehen. Ab Werk hatte Mattek ein zulässiges Gesamtgewicht von 850kg. Durch ein TÜV-Gutachten wurde das in den Papieren auf 750 kg gesenkt und dieses Gutachten mussten wir mitbringen.
- Falls Ihr eine Zulassung für Tempo 100 auf der Autobahn wünscht: Eine Herstellerbescheinigung, dass der Wagen über Anti-Schlingerkupplung und Stoßdämpfer verfügt. Und natürlich auch wieder: Ein passendes TÜV-Gutachten.
- Ein Kennzeichen. Ja, nur eins – denn vorne hat der Wohnwagen natürlich kein Kennzeichen.
Der Kennzeichen-Hack: Ich habe unser Wunschkennzeichen vorab online reserviert. Pro-Tipp: Kauft die Schilder vorher online oder im Laden um die Ecke. Die Schilderläden direkt am Stadthaus verlangen „Apothekenpreise“.
Der Tag im Stadthaus: Sophie und die kritische Beamtin
Bewaffnet mit allen Papieren und meiner „Geheimwaffe“ – einer gut gelaunten Sophie – marschierte ich an meinem freien Tag ins Bonner Stadthaus. Sophie fand die automatischen Türen und die wartenden Menschenmassen höchst spannend, was die allgemeine Wartezimmer-Tristesse ein wenig auflockerte. Leider waren wir erst vor kurzem schon einmal hier, um meinen neuen Führerschein abzuholen. Bei dieser Gelegenheit hatte Sophie sich mit einem dekorativen Weihnachtsmann im Wartebereich angefreundet und einen Plastik-Weihnachtsbaum sehr bewundert. Nun hatten wir es aber eben Ende Januar und Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann waren spurlos verschwunden. Das senkte ihre Laune augenblicklich und gab Anlass zu einem größeren Drama.
Zum Glück kam nach wenigen Augenblicken der Aufruf unserer Wartenummer. Wir saßen einer Beamtin gegenüber, die den Begriff „Amtsschimmel“ wahrscheinlich erfunden hatte. Sie nahm die polnischen COC-Papiere in die Hand, hielt sie gegen das Licht, als wären es gefälschte 500-Euro-Scheine, und runzelte die Stirn. „Das ist aber ein polnisches Papier…“, murmelte sie kritisch. Ich hielt den Atem an. Sophie brabbelte fröhlich dazwischen. „Ja“, sagte ich so souverän wie möglich, „ein EU-Fahrzeug. Alles konform.“
„Warum wollen sie denn ablasten? Das macht doch gar keinen Sinn?“ – „Ja, wissen sie, unser Auto darf nicht mehr als 750 kg ziehen. Deshalb darf der Wohnwagen nicht schwerer sein.“ – „Aha. Na ich hätte mir ja einfach ein größeres Auto gesucht.“ – „Ja, kann ich mir vorstellen“, murmelte ich. Und ja, ich konnte mir wirklich vorstellen, dass die Dame nicht zu einem Mattek passt.
Sie tippte. Und sie prüfte. Dann tippte sie noch mehr. Sie prüfte intensiver. Dann untersuchte sie akribisch den Fahrzeugbrief. Guckte kritisch erst mich, dann die Dokumente, dann ihren Bildschirm, dann wieder mich und zuletzt ihre Kollegin am Nachbarschreibtisch an. Verglich Ziffer für Ziffer die Fahrgestellnummer auf allen Dokumenten, wobei sie ihren Zeigefinger peinlich genau als Lesehilfe verwendete. Und dann, nach einer Ewigkeit, die sich anfühlte wie eine komplette Camping-Saison, Schob sie alle Dokumente in ihren Scanner. Und dann, endlich, griff sie zum Stempel. Pauk-Pauk.
Der Moment des Triumphs
Nachdem ich die Gebühren per Girocard entrichtet hatte, hielt ich sie endlich in den Händen:
- Den brandneuen Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I).
- Das gestempelte Kennzeichen. (Eine Variation unseres Auto-Kennzeichens und Hommage an unseren Hochzeitstag, klar.)
- Und das Beste: Den gesiegelten 100er-Aufkleber. Wir würden nur so über die Autobahn fliegen! (Spoiler: Nein, würde wir am Ende doch nicht. Aber das ist Material für eine andere Geschichte.)
Wichtig für euch: Erwähnt bei der Zulassung unbedingt, dass der Wohnwagen für die 100-km/h-Zulassung geeignet ist (steht in den COC-Papieren). Dann wird das direkt in die Papiere eingetragen und ihr bekommt das offizielle Siegel für das Schild.
Was kostet der Spaß? (Preise Bonn 2026)
| Posten | Kosten (ca.) |
| Zulassungsgebühr | ca. 40,– € |
| Wunschkennzeichen & Reservierung | ca. 12,– € |
| Schilder (online bestellt) | ca. 10,– € |
| 100-km/h-Plakette & Eintragung | ca. 10,– € |
| Gesamt | ca. 72,– € |
Wir traten aus dem Stadthaus in die Bonner Wintersonne. Ich hielt das Blech wie eine Trophäe hoch. Mattek war nun offiziell ein Bürger der Bundesstadt Bonn. Er hatte eine Identität, eine Nummer und die Erlaubnis, die Autobahnen unsicher zu machen. Und ich stellte fest, dass wir tatsächlich nur rund 15 Minuten in der Zulassungsstelle verbracht hatten. Es war also in Wirklichkeit gar nicht so dramatisch, wie es sich anfühlte.
Nun denn: Mattek, wir kommen! Heute Nachmittag haben wir ein Date zur Übergabe!
