Unsere To-Do-Liste: Erledigungen vor der Abholung
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Einigermaßen unverhofft und früher als erwartet waren wir nun also stolze Eigentümer eines Wohnwagens. Mit der Euphorie der Rückfahrt im Rücken begannen wir am nächsten Mittag, die nächsten Schritte zu planen. Der Kaufvertrag war unterschrieben. Wir besaßen jetzt offiziell einen Wohnwagen. Einen echten. Mit Deichsel, Gasflaschenkasten und – nun ja – königsblauen Polstern und rot-gold-braunen Vorhängen.
Was wir allerdings noch nicht besaßen, war so ziemlich alles andere, was man zum Wohnwagenbesitzer-Dasein braucht.
Unser Corolla hatte keine Anhängerkupplung. Einen Stellplatz in Bonn hatten wir erst recht nicht. Von Dingen wie Stützlast, Zusatzspiegeln oder Gasdruckreglern hatten wir zwar schon ein paar Mal in der Theorie gehört – aber eher so wie man von exotischen Tierarten gehört hat: Man weiß, dass sie existieren, hat aber keine Ahnung, wie man im Alltag mit ihnen umgehen soll.
Also taten wir das, was jeder halbwegs organisierte Mensch in so einer Situation tut:
Wir setzten uns an den Schreibtisch, öffneten ein Dokument und schrieben eine To-Do-Liste.
Eine erstaunlich lange To-Do-Liste.
1. Anhängerkupplung für den Corolla
Der erste und offensichtlichste Punkt: Unser Auto brauchte eine Anhängerkupplung.
Ohne sie würde unser frisch gekaufter Wohnwagen vermutlich sehr lange sehr gemütlich im Westerwald stehen bleiben. Also begannen wir, Werkstätten zu vergleichen, Preise einzuholen und uns durch die Frage zu arbeiten, welche Kupplung eigentlich die richtige ist.

Welche Anschlüsse? Abnehmbar? Starr? Elektrisch schwenkbar?
Spoiler: Bei einem Toyota Corolla stellt sich die letzte Frage gar nicht erst. Am Ende entschieden wir uns für eine starre Ausführung. Günstig, einfach, bequem. (Außer für Saschas Schienbein…)
2. Versicherung und Zulassung
Ein Wohnwagen ist rechtlich gesehen ein ganz normales Fahrzeug.
Das bedeutet:
Er braucht eine Versicherung, eine Zulassung und ein Kennzeichen.
Und dann mussten wir uns noch überlegen, ob wir eine Zulassung für „Tempo 100“ auf Autobahnen brauchen und möchten. Bis zu diesem Zeitpunkt war uns außerdem auch nicht ganz klar gewesen, dass ein Wohnwagen zwar seine eigene Versicherung hat, aber trotzdem über das Zugfahrzeug mitversichert ist – zumindest teilweise. Kurz gesagt: Es gibt eine ganze Menge Papierkram und Abwägungen.
Und Papierkram ist bekanntermaßen eine der Lieblingsdisziplinen deutscher Behörden. Ja, Papierkram. Nicht Kundenfreundlichkeit. Die ganze Geschichte findet ihr hier.
3. Stellplatz für den Wohnwagen finden
Diesen Punkt hatten wir bislang überhaupt noch nicht ernsthaft bedacht. Wir hatten mehr oder weniger gehofft, dass wir schon problemlos ein schattiges Plätzchen finden. Die Suche stellte sich aber als überraschend schwierig heraus. Ein Wohnwagen ist nämlich erstaunlich groß, wenn man in einer Stadt lebt, in der Parkplätze ohnehin eher als mythologische Wesen gelten. In unserer bisherigen Vorstellung hatten wir einfach irgendwo einen schönen Platz in einer alten Scheune gesehen. Doch nun mussten wir diesen Platz erstmal finden.
„Stellplatz Bonn Wohnwagen“ wurde plötzlich zu einer der meistgesuchten Phrasen in unserem Browser.
Denn eines war klar: Den N126N einfach dauerhaft irgendwo am Straßenrand zu parken, war keine besonders nachhaltige Strategie. Abgesehen davon, dass es in Bonn auch nicht erlaubt ist.

4. Fahren mit Anhänger lernen
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir zwar Autos gefahren – aber noch nie (oder fast noch nie) einen Anhänger gezogen.
Die Theorie klingt einfach:
Man fährt einfach los. Den Rest lernt man dann schon.
Die Praxis sieht etwas anders aus. Rückwärtsfahren, Rangieren, enge Kurven, Autobahnfahrten mit engen Baustellen – all das fühlt sich mit Anhänger plötzlich wie eine neue Disziplin im Straßenverkehr an.
Also stand fest: Wir würden üben müssen. Viel üben.

5. Zubehör für sicheres Fahren und Komfort
Wer mit einem Wohnwagen unterwegs ist, braucht ein paar Dinge, die man als normaler Autofahrer nie auf dem Radar hat.
Zum Beispiel:
- Zusatzspiegel*, damit man am Wohnwagen vorbeischauen kann
- eine Stützlastwaage*, um die Gewichtsverteilung korrekt einzustellen
- Auffahrkeile*, damit der Wohnwagen auf dem Stellplatz nicht schief steht
- Fußplatten für die Stützen*, damit der Wohnwagen bei Regen nicht im Matsch versinkt
- Vorzelt und Befestigungsmaterial* (Unser Favorit: Das Starterset von Peggy Peg: Günstig, stabil und leicht zu montieren)
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir über all diese Dinge höchstens in YouTube-Videos gehört. Jetzt gehörten sie plötzlich auf unsere Einkaufsliste. Wir mussten also erst mal klären, was wir wirklich benötigen und was überflüssiges Chichi ist. Und anschließend entscheiden, was in unserer Erstausstattung auf keinen Fall fehlen darf.
6. Gasversorgung klären
Ein Wohnwagen ohne Gas ist ungefähr so nützlich wie ein Wasserkocher ohne Strom. Kocher, wenn vorhanden Heizung und manchmal auch der Kühlschrank laufen über Gasflaschen. Also mussten wir herausfinden:
Welche Gasverbraucher hat unser Wohnwagen?
Welche Gasflasche passt überhaupt in den Gaskasten?
Welchen Druckminderer brauchen wir?
Und wo bekommt man eigentlich solche Gasflaschen her?
Eine kleine Welt für sich. Alle nötigen Infos haben wir hier für Euch zusammengestellt.
7. Erste Grundausstattung
Dann gibt es noch die Dinge, die man im Alltag ganz selbstverständlich benutzt – die aber im Wohnwagen plötzlich alle noch einmal separat existieren müssen.
Zum Beispiel:
- Geschirr* und Besteck*
- Kochutensilien* wie Töpfe, Pfannen, Schneidebretter* und Co
- eine Kabeltrommel*
- Adapter* für den Campingplatz-Strom
- Spülschüssel*, Wasserkanister und allerlei Kleinkram
- Ein Herausfallschutz für das Kinderbett* (Bettgitter)
Wir stellten fest: Camping ist eine Mischung aus Minimalismus und erstaunlich vielen Spezialteilen.
8. Design-Rettungsmission
Kommen wir zum vielleicht emotionalsten Punkt der Liste.
Denn während wir unseren Wohnwagen (zumindest in seiner besonderen Nische) technisch hervorragend fanden, war das Interieur… sagen wir… ausdrucksstark.

Königsblaue Polster.
Rot-gold-braune Vorhänge.
Eiche-Rustikal-Dekor.
Unser Plan lautete daher:
Polster neu beziehen. Vorhänge austauschen. Und vielleicht mit etwas Folie und Kreativität dafür sorgen, dass das Ganze weniger nach „Wohnzimmer 1993“ und mehr nach „kleines, gemütliches Reise-Ei“ aussieht. Oh, und ein zusätzliches Hundebett benötigen wir natürlich auch. Bobby muss ja auch irgendwo liegen.
Dafür brauchten wir allerdings noch zwei weitere Dinge:
eine Nähmaschine – und jemanden, der sie bedienen kann.
9. Ein Name für den Wohnwagen
Jeder Wohnwagen braucht einen Namen.
Zumindest findet Sascha das. Schließlich begleitet uns dieses kleine GFK-Ei künftig auf unseren Reisen, steht mit uns auf Campingplätzen und erlebt vermutlich mehr Abenteuer als so mancher Mietwagen. Und außerdem bekommen alle Dinge von Sascha einen Namen. So will es das Gesetz.
Also musste auch dieser Punkt auf die Liste:
Wie soll unser Wohnwagen heißen?
Die Ideenphase war eröffnet.
10. Und vermutlich noch hundert andere Kleinigkeiten
Als wir diese Liste fertig hatten, lehnten wir uns zurück und betrachteten sie einen Moment lang.
Zehn Punkte. Knapp 2,5 Monate Zeit.
Das wirkte auf den ersten Blick gar nicht so dramatisch.
Auf den zweiten Blick wurde allerdings klar: Hinter fast jedem dieser Punkte verbargen sich wieder neue Fragen, Entscheidungen und kleine Projekte. Während wir manche Dinge aus unserer alten Zelt-Ausstattung übernehmen konnten und uns mit einigen Sachen schon gut auskannten, mussten wir uns in andere Themen erst sehr intensiv einlesen. Und zwischen November und Januar liegt ja auch noch Weihnachten.
Aber das fühlte sich plötzlich gar nicht mehr anstrengend an.
Denn zum ersten Mal seit drei Monaten mussten wir nicht mehr theoretisch über PS-Zahlen, Anhängelasten oder Dieselpartikelfilter nachdenken. Unser Corolla durfte uns noch ein paar Jahre begleiten – und unser Wohnwagen wartete geduldig im Westerwald auf seine Abholung. Der äußere Rahmen stand jetzt fest und wir mussten ihn nur noch mit Leben füllen.
Es gab viel zu tun.
Aber diesmal fühlte es sich nicht wie Suche an.
Es fühlte sich wie Vorfreude an.
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