Know-How: Die große Markenübersicht
Auf unserer Suche nach einem passenden Familienwohnwagen für ein kleines Auto oder eine begrenzte Anhängelast haben wir herausgefunden, dass Wohnwagen nicht gleich Wohnwagen ist. Man kennt das ja auch vom Campingplatz: Man sitzt gemütlich vor dem Wagen, die Markise ist ausgefahren, der Hund kaut zufrieden an einem Stock, und das Kind versucht zum dritten Mal, den Deichselkasten mit Kieselsteinen zu füllen. Man schweift mit dem Blick über die Parzellen und stellt fest: Es gibt die rollenden Schrankwände in Eiche-Rustikal, die spacigen Design-Eier und die pragmatischen Kisten, bei denen man das Gefühl hat, die Schrauben wurden eher als Serviervorschlag denn als Befestigungsmaterial betrachtet.
Die einzelnen Marken unterscheiden sich hinsichtlich der anvisierten Zielgruppe überraschend deutlich. Damit ihr es auf Eurer Suche nach einem passenden Wohnwagen etwas leichter habt, versuchen wir, Euch eine kleine Übersicht zur Frage zu geben: Welche Marke passt zu uns? Welche Marken können wir ausklammern? Wo sollten wir genauer hinschauen?
Wir haben uns deshalb (rein subjektiv, versteht sich!) durch den Markendschungel gewühlt. Hier ist unsere persönliche Übersicht: Von den Giganten der Branche bis hin zu den wahren Helden unter 1.000 kg.
Welche Wohnwagen-Marken eignen sich für ein kleines Auto?
Am Ende kommt es auf die Daten in Eurem Fahrzeugschein an – klar. Für eine grobe Orientierung reichen aber vielleicht folgende Richtwerte: Bis 1.500 kg „zulässiges Gesamtgewicht“ (zgG) schaffen schon recht viele Mittelklasse-Kombis und Limousinen mit Dieselantrieb. In der Welt zwischen 1.000 kg und 1.500 kg sind schon wirklich viele Marken vertreten. Diese Wohnwagen eignen sich unter Umständen bereits für einige Kleinwagen und Hybrid-, bzw. Elektrofahrzeuge. Hier gibt es auch starke Benziner, die möglicherweise in Betracht kommen. Die „Königsklasse“ sind dann die Wohnwagen mit einem zgG von 1.000kg oder weniger. In diesem Bereich gibt es hinsichtlich des Zugfahrzeugs eine breite Palette. Leider gibt es nicht sehr viele Wohnwagen, die mit so wenig Gewicht auskommen.
Allgemein gilt: Je niedriger das zgG ist, desto geringer fällt meist auch die Zuladung aus. Während man bei einem 1.800 kg Schiff der Preisklasse „Tabbert“ oder „Fendt“ gute 300 bis 400 kg zuladen kann, schrumpft die Zuladung in der 750 kg – Klasse auf vielleicht 50 kg zusammen. Im besten Fall. Was bedeutet das für Euch? Ihr müsst im Zweifel mehr Urlaubsgepäck, wie zum Beispiel das Vorzelt, Lebensmittel, Fahrräder oder ähnliches in Eurem Auto transportieren – wenn das denn noch ausreichend freie Zuladung bietet. Ansonsten bleibt nur Minimalismus.
Hinsichtlich der möglichen Grundrisse unterscheiden sich die einzelnen Marken nicht besonders. Klar: Stockbetten mit Maltafel findet Ihr eher im schwereren Bereich. Aber selbst Niewiadow bietet einen Wohnwagen mit Stockbett. Glaubt Ihr nicht? Schaut Euch mal den Niewiadow „New Sport 4 Family“ an!
Grundsätzlich gilt natürlich auch im Leichtbau: Je weniger Gewicht, desto weniger Komfort. Und umgekehrt. Es geht also immer darum, den persönlichen Sweet Spot zu finden. Oder kürzer: Wieviel Wohnwagen benötige ich für meine Familie und was ist mir wichtig?
Die großen Player: Wenn’s ein bisschen mehr sein darf (oder muss)
Bevor wir zu den kleinen Schätzen kommen, werfen wir einen Blick auf die Klassiker-Marken, die man auf jedem Autobahnrastplatz zwischen Flensburg und dem Brenner trifft. Spoiler: Wenn Ihr nur eine sehr begrenzte Anhängelast möglich machen könnt (oder wollt), dann werdet Ihr in diesem Segment wahrscheinlich eher nicht fündig. Und wenn, dann nur bei sehr alten Gebrauchtfahrzeugen. (Früher war nicht alles besser – aber deutlich leichter.)
Dennoch wissen wir natürlich, dass hier die Musik des Durchschnitts-Campers spielt. Und das finden wir völlig in Ordnung. Jeder sollte nach seinem ganz persönlichen Bedarf gehen. Auch wenn wir große Fans von Minicampern geworden sind: Für manche Familien ist „größer, schwerer, luxuriöser“ einfach sinnvoll. Für manche Strecken und manchen Alltag ist „dicker SUV“ einfach sinnvoll. Und das ist Okay.
Polar: Die schwedische Sauna auf Rädern
Fangen wir doch direkt mit dem Dickschiff an: Wer Polar fährt, hat entweder eine tiefe Affinität zu Elchen oder plant, den nächsten Winter in Nordsibirien zu verbringen. Auf dem Caravan-Salon sind wir zum ersten Mal auf diese Marke aufmerksam geworden und (noch) sieht man sie recht selten auf deutschen und holländischen Campingplätzen. Aber wir waren von den Wohnwagen wirklich begeistert. Deshalb stellen wir sie Euch auch hier kurz vor.
- Der Vibe: Qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Wenn die Welt untergeht, gibt es mindestens drei Überlebende: Kakerlaken, Keith Richards und Polar-Wohnwagen.
- Für Familien & Hund: Hervorragend isoliert. Wenn das Baby schreit, hört es draußen niemand. Wenn der Hund nass ist, trocknet er dank der Luxus-Heizung in Rekordzeit. Ein Problem sind aber die hochwertigen, hellen Teppiche und Polster. Das Interieur ist nicht wirklich Familienkompatibel.
- Der Haken: Man muss bereit sein, den Preis eines kleinen Einfamilienhauses in der Uckermark zu investieren. Dafür kann man aber wenigstens eine Handvoll Gummibärchen erwarten. Und der große Komfort führt zu kräftigem Gewicht: Unter 2 Tonnen Leergewicht geht hier nichts.
Tabbert: Das „Gelsenkirchener Barock“ der Landstraße
Tabbert ist die Marke für Menschen, die auch beim Camping nicht auf ihr Samtkissen verzichten wollen. Aber offenbar auch sehr solide. Wir haben auf den Campingplätzen Europas eine Reihe wirklich alter Tabberts gesehen. Scheinbar sind diese Dinger absolut solide konstruiert, so dass sie selbst nach vierzig Jahren Dauercamping immer noch durch die Welt reisen.
- Der Vibe: Außen klassisch (bis hin zu „wirklich konservativ“), innen oft wertiger als die meisten Eigentumswohnungen. Alles sieht schick und gediegen aus. Aber eben auch sehr, sehr klassisch bis konservativ. Die Zielgruppe sind am ehesten „best-ager“, die ihren Ruhestand auf dem Campingplatz genießen wollen. Die Verarbeitungsqualität ist top – da klappert nichts, selbst wenn man über eine Schlaglochpiste in den Karpaten brettert.
- Für Familien & Hund: Ein Tabbert strahlt eine Ruhe aus, die man mit Kleinkindern dringend braucht. Er ist der Fels in der Brandung. Aber Vorsicht: Weiße Polster und Schokofinger sind auch hier eine riskante Kombination.
- Der Haken: Auch hier bewegen wir uns preislich eher in der oberen Mittelklasse. Zudem bringen schweres Holz, edle Stoffe und zahlreiche Komfortfunktionen einiges Gewicht auf die Waage. Die Modellreihe „Vivaldi“ liegt bei durchschnittlicher Ausstattung zum Beispiel schnell bei 1.800 kg. Und auch hier geht es bis 2.200 kg hoch.
Fendt & Hobby: Die ungleichen Geschwister
Fendt ist der solide Bruder, der immer passendes Werkzeug dabei hat. Hobby ist der hippe Bruder, der zwar eine schicke LED-Beleuchtung im Garten hat, aber über all das vergisst, die Pfosten einzubetonieren.
- Fendt: Technisch brillant, Design eher „klassisch“. Aber: Für Familien mit Hund extrem dankbar, weil alles stabil gebaut ist. Auch hier haben wir schon viele, viele extrem alte Modelle auf Campingplätzen gesehen. Die Verarbeitung scheint also sehr hochwertig zu sein. Das Design hat uns persönlich allerdings nicht besonders gut gefallen. Die Wohnwagen sind eher dunkel, eher gediegen. Ähnlich wie bei Tabbert, sind es eher Wohnwagen für die Best-Ager.
- Hobby: Sieht fantastisch aus! Die Interieurs sind oft moderner als die von IKEA. Jenny hat sich darüber gefreut, dass hier endlich auch mal Stoffe und Materialien aufeinander abgestimmt waren. Und Hobby ist bei elektronischen Helfern und „Konnektivität“ relativ weit vorn.
- Der Haken: Man sollte andererseits auch immer einen Kreuzschlitzschraubendreher griffbereit haben, um die eine oder andere Leiste nachzuziehen. Einen der ersten Merksätze, die wir auf den Campingplätzen dieser Welt gelernt haben: „Hast Du einen Hobby, dann hast Du ein Hobby“. Wieviel Wahrheit am Ende da dran ist, können wir nicht beurteilen. Die Foren sind voll von Geschichten über Probleme. Das kann aber auch einfach daran liegen, dass Hobby der unangefochtene Marktführer ist. Wenn es sehr viele Wohnwagen einer Marke auf den Straßen gibt, dann gibt es eben auch viele Problemberichte. Ob Hobby jetzt wirklich deutlich reparaturanfälliger ist, als andere Marken, lassen wir mal offen.
Knaus & Weinsberg: Die Konzern-Logik
Knaus ist die solide Mittelklasse. Weinsberg ist die „Low Budget“-Tochter.
- Knaus: Ein Allrounder. Mit dem Südwind macht man nichts falsch, er ist wie ein VW Golf. Solide, aber ohne große Emotionen. Uns persönlich war auch bei Knaus das Interieur zu altmodisch. (Ein Umstand, der sich durch unsere gesamte Recherche zog, übrigens. Wir haben den Eindruck, dass die Innenarchitekten bei den Wohnwagenherstellern irgendwo in den frühen 2000er Jahren hängen geblieben sind.)
- Weinsberg: Hier wird gespart. Das Design ist oft erfreulich mutig und frisch (siehe die „CaraCito“-Reihe ohne Gas!), aber bei der Haptik merkt man, wo die Euros geblieben sind. Mit Hund und Kind muss man hier etwas vorsichtiger agieren, damit die Kunststoffgriffe dort bleiben, wo sie hingehören. Auch hier ist das Internet voll von Erfahrungsberichten entsetzter Käufer, die teils falsch gesetzte Bohrlöcher, fehlende Teile und lose Scharniere schon ab dem ersten Tag erwähnen. Ein Umstand allerdings, der durch geschickte Heimwerker wahrscheinlich gut beherrschbar ist. Hier gilt eben auch: „Du bekommst, was du bezahlst.“
Die Stars der Nische: Wohnwagen unter 1.000 kg (zgG)
Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Warum ein Schiff steuern, wenn man ein Schnellboot haben kann? Für uns als Familie mit Mattek (unserem Niewiadow N126N) ist klar: Weniger Gewicht bedeutet mehr Freiheit. Weniger Luxus bedeutet auch: Niedrigere Kosten. Und niedrigere Kosten bedeutet, ganz simpel: Mehr Urlaubstage. Wir geben lieber weniger für Wagen und Zugfahrzeug aus und machen dafür mehr Wochenendtrips.
Niewiadow (Mattek-Style): Der unkaputtbare Kult
Wir sind befangen, ja. Aber der Niewiadow ist der Panzer unter den Mini-Campern.
- Konstruktion: Voll-GFK. Das bedeutet: Rost? Nein. Feuchtigkeitsschäden am Aufbau? Fast unmöglich. Und: niedriges Gewicht. Die Reparaturen können durch einen Bootsbauer, oder sogar beim örtlichen Segelflugverein erledigt werden. (Viele Segelflugzeuge bestehen ebenfalls aus GfK. Daher haben die meisten Vereine einige Leute dabei, die sich extrem gut mit dem Werkstoff auskennen und „schnell mal“ etwas reparieren können.)
- Für Familien: Der N126 in seinen verschiedenen Grundrissen und Varianten ist ein Raumwunder. Dass man in einem Wagen mit 750 kg bis 850 kg Gesamtgewicht zwei Sitzgruppen (oder ein festes Bett und eine Sitzgruppe) unterbringt, grenzt an Magie. Bei Regen kommt das Bettzeug halt mal in die Staufächer und dann lässt sich gemütlich Kniffeln oder netflixen.
- Hundefaktor: Durch den pflegeleichten Boden und die kompakte Maße ist man schnell mit dem Feger durch. Der Vorwerk-Handstaubsauger kann bei Mattek gern Zuhause bleiben.
Eriba Touring: Das Design-Icon
Der Touring ist der Wohnwagen, den man kauft, wenn man gesehen werden will.
- Der Vibe: Retro pur, Hubdach-Feeling und ein Fahrverhalten wie auf Schienen. Das Design ist eine Klasse für sich, denn unserem Geschmack nach hat Eriba es perfekt geschafft, das uralte, klassische Design gekonnt in die Moderne zu überführen. Der ikonische Miniwohnwagen fühlt sich einfach nach „individuellem Camping“ und „klasse“ an.
- Das Problem für Familien: Er ist eng. Wirklich eng. Und teuer. Wer mit Kind und Hund im Eriba Touring Urlaub macht, sollte sich vorher sehr, sehr lieb haben. Die Qualität ist legendär, der Preis leider auch.
- Das Gewicht: Der Touring startet bei 1.000kg zgG. Das ist -verglichen mit den normalen Wohnwagen- schon ziemlich gut. Aber eine Tonne Anhängelast ist für viele Kleinwagen, Hybride oder Elektroautos schon zu viel. Immerhin bietet auch der kleinste schon 3 Schlafplätze. (2x fest, einmal umbaubare Sitzgruppe). Allerdings wäre die kleine Sitzgruppe für Mama, Papa, Kind wiederum zu klein. Aus diesen Gründen fiel der Touring bei unserer Suche sehr schnell aus dem Raster. Wir hätten doch ein neues Auto benötigt – und dann könnte es eben auch gleich ein großer Hobby sein.
Trigano Silver: Die Verwandlungskünstler
Ähnlich wie der Eriba Touring, aber oft etwas funktionaler und weniger „kultig“ bepreist. Trigano besetzt mit den Marken Silver Trend und Mini Freestyle eine Nische, die für Kleinfahrzeuge (und genervte Garagenbesitzer) wie gemacht ist.
- Der Vibe: Modern-pragmatisch. Während man im Eriba das Gefühl hat, in einem Design-Museum zu übernachten, fühlt sich ein Silver an wie ein gut durchdachtes französisches Apartment. Beides ist weder gut oder schlecht, sondern spricht einfach andere Käufer an. Uns gefällt das Design des Eriba viel besser, während Trigano auf uns wie ein geschrumpfter „Adria“ oder „Hobby“ wirkt. Aber erlaubt ist eben, was gefällt.
- Gewicht & Zuglast: Hier spielen sie ihre Trümpfe aus. Die Mini Freestyle-Serie (Modelle 270 bis 300) startet oft bei einem Leergewicht von ca. 600 bis 700 kg. Das zulässige Gesamtgewicht (zgG) liegt meist bei 750 kg bis 1.000 kg (oft auflastbar bis 1.200 kg). Das bedeutet: Selbst ein kleinerer PKW oder ein E-Auto mit geringer Anhängelast zieht diese Wagen ohne Schweißperlen auf der Stirn über den Brenner. Andererseits ist die Zuladung natürlich extrem begrenzt.
- Marktpreise (Stand 2025/2026): * Neu: Die kompakten „Mini Freestyle“-Modelle starten schon bei ca. 16.500 €. Für einen voll ausgestatteten „Silver Trend 380“ (der 3 Personen Platz bietet) muss man mit 22.000 € bis 27.000 € rechnen.
- Für Familien & Hund:
- Pro: Dank der GFK-Bauweise (bei vielen Modellen) sind sie recht robust gegen kleine „Hund-trifft-Wand“-Unfälle oder Kinderspielzeug-Attacken. Die Böden sind meist pflegeleicht.
- Contra: Der Platz ist für eine Familie mit Hund sportlich. Der Mini Freestyle 300 bietet zwar theoretisch Schlafplätze, aber bei Regen wird es kuscheliger, als es manchem lieb ist. Zudem ist das Stoff-Hubdach bei Starkregen (Stichwort: Gardasee-Trauma!) akustisch präsenter als eine feste Wand – und die Isolierung stößt bei echtem Wintercamping an Grenzen.
- Vorteil: Mit einer Gesamthöhe von meist unter 2 Metern im fahrbereiten Zustand passen sie in fast jede Standardgarage und sparen auf französischen Autobahnen Mautgebühren (Klasse 1).
Caravelair & Sterckeman: Die französischen Diät-Könige
Wenn man über Leichtbau spricht, kommt man an diesen beiden Marken der französischen Trigano-Gruppe nicht vorbei. Sie rollen oft vom selben Band, unterscheiden sich meist nur durch die Polsterfarben und sind die Antwort auf die Frage: „Gibt es einen Familien-Wohnwagen mit Stockbetten unter 1.000 kg?“
- Der Vibe: Funktionaler Minimalismus mit einem Schuss Baguette-Leichtbau. Erwarte kein massives Eichenholz, sondern kluge, gewichtsoptimierte Konstruktionen. Es ist die „IKEA-Lösung“ des Campings – modern, hell, aber man sollte die Schränke vielleicht nicht als Klimmzugstange benutzen.
- Gewicht & Zuglast: Das ist ihr absolutes Alleinstellungsmerkmal. Während andere Marken bei 1.200 kg überhaupt erst anfangen, bieten Caravelair (Alba-Serie) und Sterckeman (Easy-Serie) Grundrisse an, die fahrbereit bei ca. 850 kg bis 950 kg liegen. Selbst Modelle mit 4 Schlafplätzen (Stockbetten!) lassen sich oft mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.000 kg realisieren.
- Für Familien & Hund:
- Pro: Sie bieten erstaunlich viel Stauraum für das geringe Gewicht. Viele Modelle haben eine „Garagen-Klappe“ unter den Stockbetten – perfekt, um dort sperriges Hunde-Equipment oder den Kinderwagen unterzubringen.
- Contra: Die Isolierung ist eher auf „Sommer in der Provence“ ausgelegt als auf „Februar im Oberharz“. Die Wände sind spürbar dünner als bei einem Fendt oder Tabbert, was man bei der Geräuschkulisse (Stichwort: schnarchender Hund oder weinendes Kind) merkt.
- Vorteil: Man bekommt hier einen „echt geformten“ Wohnwagen mit festen Wänden und Stehhöhe, den fast jedes Mittelklasse-Auto ziehen darf. Wer den Charme von Mattek liebt, aber dringend ein festes Bad und mehr Platz für die Kinder braucht, findet hier den logischen nächsten Schritt.
Caretta & Co: Die Teardrops (Tränenform-Wohnwagen)
Diese Wagen sind im Grunde Zelte aus Hartschale – nur ohne das lästige Heringe-Kloppen. Wer einen Teardrop fährt, liebt die Ästhetik und das Gefühl, ein Design-Statement hinter sich herzuziehen.
- Der Vibe: Absoluter Lifestyle. Man lebt um den Wohnwagen herum, nicht darin. Gekocht wird an der Heckklappe, geschlafen wird in der „Höhle“. Eine Dusche gibt es manchmal auch – an der Außenseite.
- Gewicht & Zuglast: Die ultimativen Leichtgewichte. Viele Modelle wie der Caretta 1500 wiegen leer oft nur 450 bis 550 kg. Mit einem zgG von 750 kg (ungebremst oder gebremst) sind sie die besten Freunde kleiner Autos, Trikes oder sogar kräftiger Quads.
- Für Familien & Hund: Mit Kind? Schwierig. Mit Kind und Hund? Nur, wenn alle Beteiligten sehr klein sind oder eine extrem ausgeprägte Kuschel-Affinität besitzen. Da der Innenraum fast nur aus Matratze besteht, bedeutet ein nasser Hund im Wagen automatisch ein nasses Bett für alle.
- Der Haken: Für den Familienalltag fehlt schlicht der „Raum zum Atmen“. Wenn es regnet, gibt es keinen Ort, an den man sich zurückziehen kann, ohne sich direkt auf die Füße (oder Pfoten) zu treten. Es sind wunderschöne Wagen für Paare, aber für uns „Mattek-Nutzer“ wäre das wohl eher ein (sehr schickes) Biwak. Für unseren Bedarf kamen diese Wagen einfach nicht in Frage, wir hatten selbst im Zelt mehr Platz und Komfort.
Hobby Beachy: Die rollende Strandhütte
Hobby hat mit dem Beachy den Versuch gewagt, Camping für die Generation Instagram neu zu erfinden. Und man muss zugeben: Optisch ist das Ding ein Volltreffer.
- Der Vibe: Stell dir vor, eine Strandbar in St. Peter-Ording hätte Räder bekommen. Innen dominiert helles Holz, Stoffkörbe statt Schranktüren und eine sehr reduzierte Optik.
- Gewicht & Zuglast: Der kleinste (Beachy 360) startet bei einem Leergewicht von ca. 750 kg und wird üblicherweise mit 1.000 kg zgG ausgeliefert. Er lässt sich gegen Aufpreis noch deutlich auflasten. Ein echter Leichtbau-Kandidat für kleine Familien-PKW. Leider ist die Auflastung fast Pflicht, wenn man nur ein kleines bisschen Komfort oder Zuladung wünscht. Daher sind die angegebenen 1.000 kg nur bedingt realistisch.
- Für Familien & Hund: Die große Hecktür! Das ist für Hundebesitzer genial – man kann den Hund quasi direkt ins „Wohnzimmer“ springen lassen oder im Sommer für maximalen Durchzug sorgen.
- Haken: Das „Beach-Konzept“ ist konsequent reduziert. Das bedeutet: Keine Toilette im klassischen Sinne. Es gibt ein Fach für ein Porta Potti. Mit Kind nachts bei strömendem Regen… ihr wisst schon: Da wird das Entleeren des Plastikeimers zum Abenteuerurlaub im Abenteuerurlaub. Zudem wirkt das Material schick, aber wir fragen uns, wie lange die „Körbchen-Haptik“ den Krallen eines aktiven Hundes standhält.
Fendt NEXT: Wenn der Premium-Onkel cool wird
Fendt war bisher eher für die „Eiche-Massiv-Fraktion“ bekannt – siehe auch oben. Mit dem NEXT (speziell dem 381) greifen sie nun direkt die Kleinfamilien-Nische an.
- Der Vibe: Clean, futuristisch und aerodynamisch. Es ist der Versuch, Fendt-Qualität in ein leichtes, modernes Gewand zu pressen. Ob das Design gefällt, liegt auch hier wieder im Auge des Betrachters. Wir fanden den Next 381 „okay“. Holz und Gardinen sahen für uns persönlich noch etwas zu sehr nach „2005“ aus. Nicht ganz so altbacken, wie in den „großen“ Fendt, aber immer noch sehr, sehr klassisch.
- Gewicht & Zuglast: Das Modell 381 ist die Kampfansage: Ein echter Familien-Grundriss mit Stockbetten, der fahrbereit bei etwa 900 kg liegt und ein zgG von 1.000 kg bis 1.200 kg hat. Das ist schon recht ordentlich – aber eben immer noch relativ schwer und nicht für jeden Kleinwagen oder Hybrid machbar.
- Für Familien & Hund: Hier merkt man die Fendt-Gene. Alles wirkt eine Spur solider als bei den französischen Kollegen. Die Stockbetten sind für Kinder ein Traum, und für den Hund bleibt im Gang genug Platz, um nicht als Stolperfalle zu enden.
- Haken: Es bleibt ein schmaler Wagen. Die „Next Level“-Optik erkauft man sich mit einem Interieur, das fast schon zu klinisch rein wirkt. Wer mit einem schlammigen Hund und einem klebrigen Kleinkind einzieht, bekommt beim Anblick der makellosen Oberflächen fast ein schlechtes Gewissen. Aber hey, qualitativ ist das Ding über fast jeden Zweifel erhaben.
Fazit: Was ist überall gleich?
Egal ob 3 Tonnen Polar oder 750 kg Niewiadow: Am Ende kochen wir alle nur mit Wasser (und Gas). Die Physik des Campings ist universell:
- Die Stützen: Man vergisst sie immer wieder einmal beim Losfahren (oder beim Ankommen).
- Der Platz: Er reicht nie aus. Egal wie groß der Wagen ist, man baut ihn schneller mit Kram zu, als einem lieb ist.
- Die Gemeinschaft: Der Weinsberg-Fahrer hilft dem Tabbert-Besitzer beim Rangieren, und wir Mini-Camper werden meistens belächelt – bis es ans Bezahlen der Maut oder der Spritrechnung geht. Dann lächeln wir.
In der Sache bleiben wir hart: Jede Marke hat ihre Berechtigung. Jede Marke hat ihre Liebhaber. Und für (fast) jeden Bedarf gibt es eine passende Nische. Aber für uns bleibt Mattek der König der Landstraße. Er ist klein genug, um von unserem Toyota Corolla bequem gezogen zu werden und groß genug, um uns als Familie ein Zuhause zu bieten.
